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Frau Ibrahim

Frau Ibrahim

Sprachbegabte junge Irakerin gibt nicht auf und lernt für die von ihr betreuten Kinder sogar fleißig auch die deutschen Namen aller Tiere.

Frau Ibrahim

Welches Tier ist weiß, kann schwimmen und hat einen langen Hals? Frau Ibrahim kann diese Frage nicht beantworten. Die Kinder ihrer Kindergartengruppe schon: „Ein Schwan“, rufen sie laut. Frau Ibrahim kommt aus dem Irak. Seit November 2019 arbeitet sie als pädagogische Fachkraft in einer Einrichtung in Magdeburg. Sprache ist der studierten Sprach- und Literaturwissenschaftlerin wichtig und so nagen die fehlenden Sprachkenntnisse etwas am Selbstbewusstsein.

„Wichtig ist, dass Frau Ibrahim nicht aufgibt. Fehler und Kritik sollte man immer positiv sehen. Meine Aufgabe ist es, sie zu unterstützen, ihr Mut auf ihrem Weg zu machen, dass sie dranbleibt“, erklärt die Regionalberaterin für Fachkräfte Nataliya Detka. Über die Caritas suchte Frau Ibrahim im Juni 2019 Unterstützung bei der Jobsuche. „Ich habe mich in den letzten Jahren um meine drei Kinder gekümmert. Nun wollte ich wieder arbeiten. Ich habe schließlich studiert und im Irak gearbeitet. Ein Job ist so wichtig für mich, mein Selbstbewusstsein und meine Persönlichkeit“. Um den Weg ins Berufsleben anzugehen, belegt Frau Ibrahim Sprachkurse bis zum B2-Niveau und absolviert eine Ausbildung zur pädagogischen Fachkraft.

„Wie bewerbe ich mich? Wo und wie finde ich einen Job? Das fiel mehr schwer. Daher habe ich Unterstützung gesucht“, erinnert sich Frau Ibrahim. Gemeinsam mit Nataliya Detka werden Anschreiben und Lebenslauf auf den neuesten Stand gebracht und im Internet nach offenen Stellen gesucht. Über 20 Bewerbungen werden verschickt. Die ersten bleiben noch erfolglos, doch dann folgt die Einladung zum Vorstellungsgespräch. „Die Leiterin der Einrichtung war sehr froh über meine Bewerbung. Wir haben ein sehr schönes Gespräch geführt und dabei viel gelacht. Ich war überrascht, dass sie mich sofort einstellen wollte“, erinnert sich Frau Ibrahim. Das traut sich die junge Frau noch nicht zu. Doch nach einem zweiwöchigen Praktikum ist sie nun in der Kindereinrichtung fest angestellt. Frau Ibrahim ist ehrgeizig und hat hohe Ansprüche an sich. „Ich liebe es zu singen und möchte mit den Kindern gern »Pitsch, patsch, Pinguin« oder »Häschen in der Grube« singen“. Dafür übt sie jeden Tag fleißig weiter. Die Kinder dürfen sie gern korrigieren. Und so wird es jeden Tag besser. „Frau Ibrahim sollte immer wieder mal einen distanzierten Blick nehmen. Was habe ich bisher geleistet? Denn das ist bereits viel und sie kann stolz auf sich sein“, motiviert Regionalberaterin Nataliya Detka. Sie wird Frau Ibrahim auf ihrem Weg weiter begleiten. „Ich bin sehr dankbar für die Unterstützung von Frau Detka. Ohne sie hätte ich meinen Arbeitsplatz, der mir Spaß macht, nicht gefunden. Und sie macht mir so viel Mut. Danke“.