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Hussein Almohammad

Hussein Almohammad

Hussein Almohammad hat bereits in Syrien als Schweißer im Hafen gearbeitet. In Deutschland angekommen, möchte er gern wieder in diesem Bereich anfangen.

Hussein Almohammad

Zwei Syrer schweißen sich ihr Glück

Hussein Almohammad schweißt gerade an einem Werkstück im WIG-Verfahren als ich die Schweißwerkstatt der SLV Halle GmbH – Schweißtechnische Lehr- und Versuchsanstalt Halle – an einem Novembertag aufsuche. Der junge Syrer ist konzentriert. Er bereitet sich auf seine nächste Prüfung im WIG – Schweißen vor. Es wäre die letzte Prüfung, um den international anerkannten WIG Schweißerpass in der Tasche zu haben. Bisher hat er alle erforderlichen 5 Module erfolgreich gemeistert.

Hussein Almohammad hat bereits in Syrien als Schweißer im Hafen gearbeitet. In Deutschland angekommen, möchte er gern wieder in diesem Bereich anfangen. Doch er merkt, dass er Unterstützung benötigt, nicht nur bei der Jobsuche. Auch weil man als Schweißer nur dann arbeiten kann, wenn man die nötigen Schweißerpässe hat. Bei seiner Recherche im Internet nach Beratungsmöglichkeiten findet er Fachkraft im Fokus und vereinbart einen Termin mit Waseem Aleed, Willkommensbegleiter Halle und südliches Sachsen-Anhalt. Die Willkommensbegleitung der Landesinitiative Fachkraft im Fokus unterstützt Geflüchtete unter anderem bei der Anerkennung der bereits erworbenen Qualifikationen, der Verbesserung der Sprachkenntnisse oder Weiterbildung. „Waseem hat mir sehr geholfen. Ohne ihn wäre ich jetzt nicht hier“, so Hussein Almohammad. Der Willkommensbegleiter klärt die Qualifizierung mit der SLV ab und bereitet alle erforderlichen Unterlagen für die Beantragung beim Jobcenter Halle vor. „Das Gespräch mit dem Jobcenter hat Hussein allein gemeistert. Es war mir wichtig, dass er sich persönlich dafür einsetzt. Und das war auch der richtige Weg“, so Waseem Aleed. Im Mai 2017 beginnt der Syrer seine Qualifizierung. Den WIG-Schweißerpass hat er bald geschafft. Danach steht noch das E-Hand-Verfahren an. „Die Ausbildung läuft wirklich sehr gut. Ich habe hier nette Kollegen, die mir helfen und mit denen ich auch in der Pause reden und lachen kann“, freut sich Hussein Almohammad. Wenn er alle Schweißerpässe gemeistert hat, ist das große Ziel, endlich einer Arbeit nach zu gehen.

„Viele Geflüchtete, die bei uns ihre Schweißerpässe absolvieren, haben bereits in ihrer Heimat in diesem Bereich Berufserfahrung gesammelt. Aber ohne die international anerkannten und genormten Prüfungen können sie keine Arbeit als Schweißer finden“, erklärt Axel Börnert, Leiter Marketing der SLV Halle GmbH. Willkommensbegleiter Waseem Aleed arbeitet aus diesem Grund seit über eineinhalb Jahren mit der SLV zusammen. „Es gibt großes Interesse an einer Schweißerqualifizierung und einer beruflichen Perspektive in dieser Branche bei den Geflüchteten. Der B1-Sprachkurs ist dabei für viele eine Hürde, doch er ist Bedingung für eine Qualifizierung jeglicher Art“, so Waseem Aleed. Ursprünglich war daher die Idee, ein Gruppenangebot zu schaffen. Die Gruppe sollte vier Tage in der Woche in die Schweißerausbildung gehen und einen Tag einen Sprachkurs absolvieren. Leider war dies zum damaligen Zeitpunkt aufgrund der unterschiedlichen Integrationskurse bei den verschiedenen Bildungsträgern, die die geplanten Teilnehmer besuchten, nicht möglich. Axel Börnert bemerkt dazu: „Es gibt eine große Nachfrage am Markt nach Schweißfachkräften. Wir haben viele Unternehmen und Arbeitnehmerüberlassungen, die auf uns zu kommen und nach Fachkräften fragen. Aus diesem Grund freuen wir uns über die Kooperation mit Fachkraft im Fokus. Über die ausländischen Fachkräfte kann der Bedarf zum Teil abgedeckt werden. Allerdings hindern uns mitunter die sprachlichen Defizite daran, schneller für den Arbeitsmarkt reagieren und gleichzeitig auch zur Integration beitragen zu können“. Axel Börnert unterstreicht in unserem Gespräch aber ebenso, dass es für die Geflüchteten wichtig ist, Deutsch zu lernen. Gerade im Fachkundeunterrricht der Ausbildung geht es nicht ohne entsprechende Sprachkenntnisse. Aber er betont auch, wie viele den Unterricht meistern trotz sprachlicher Defizite. „Zum einen stehen unsere Ausbilder jedem bei Fragen bei. Zum anderen sehe ich, wie die Geflüchteten hier ihr Deutsch täglich in der Fach- und Umgangssprache verbessern, im Gespräch mit den Kollegen, im Arbeitsalltag“, erklärt er.

Auch der junge Syrer Ali Deeb erzählt mir, wie er täglich immer besser wird in der deutschen Sprache: „Ich bin hier mit deutschen Kollegen zusammen. Hier lerne ich besser. Und wenn ich mal etwas nicht verstehe, sprechen die Kollegen langsamer“. Ali Deeb ist 22 Jahre. Ein Freund von ihm arbeitet als Schweißer bei einem großen Unternehmen. Das möchte er auch. Er wendet sich im August 2016 an Waseem Aleed, der ihn von nun an auf seinem Weg unterstützt, ob bei den Gesprächen mit dem Jobcenter oder auch später beim Jobeinstieg. „Ali war ursprünglich als Teilnehmer für die geplante Gruppenausbildung gedacht. Da diese nicht durchgeführt wurde, mussten wir seine Qualifizierung nochmal individuell beantragen. Somit hat sich der Beginn der Qualifizierung zeitlich verzögert. Nun bin ich froh, dass er es schon so weit geschafft hat“, erklärt Waseem Aleed. Seit August absolviert Ali Deeb seine Ausbildung bei der SLV Halle GmbH. Wenn alles gut geht, ist er im nächsten Frühjahr fertig und kann sich mit Schweißerpässen im WIG-Verfahren, E-Hand und Brennschneiden bewerben. „Ohne Waseem wäre das hier alles nicht möglich. Ich müsste zuhause bleiben. Ich bin so froh. Er hat mir wirklich geholfen“, ist er dankbar und freut sich auf seine berufliche Zukunft.